| Applaus für Theater-Taxe |
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Künftiger Intendant in Fahrland / Wellemeyer für Nacht-Boulevard neben HOT 2009-06-12 POTSDAM / NEU FAHRLAND - Bevor er in der Stadt Zeichen setzt, hat Tobias Wellemeyer in Neu Fahrland schon einmal vor potenziellem Theater-Publikum Konturen gezeichnet von seiner künftigen Arbeit als Intendant des Hans-Otto-Theaters. Vor rund 40 Zuhörern, die auf Einladung von Carmen Klockow zu deren Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Tenne“ gekommen sind, versicherte Wellemeyer, dass er ein „Stadttheater für Potsdam“ machen wolle. Er verteidigte das immense Volumen der geplanten 24 Neuinszenierungen, weil man „nicht bequem anfangen“ könne. Es müsse zunächst mal ein neuer Spielplan her (MAZ berichtete). „Und wir experimentieren erst. Wenn wir meinen, dass wir falsch liegen, werden wir die Richtung ändern“, sagte Wellemeyer. Er wisse schon, dass es hier um „sehr differente Potsdamer Zuschauer“ gehe. Für die Kinder- und Jugendarbeit werde nicht weniger Geld als bisher im Theateretat sein, nur „die innerbetriebliche Organisation“ ändere sich. Er stelle neben einer Referentin für junge Zuschauer noch eine Theaterpädagogin ein, die die Laienspielaktivitäten „kleiner Formationen“, die selbst recherchieren, schreiben und inszenieren, begleitet. Sein „Traum“ ist, dass wieder Familien geschlossen zur Aufführung gehen; vielleicht gelinge das sogar mit seiner „Momo“-Inszenierung. Kinder- und Jugendvorstellungen soll es künftig auch im „Roten Haus“ geben.Wellemeyer lobte den Kulturstandort Schiffbauergasse und hofft, dass man ihn „nicht zernörgelt“. Dennoch hatte auch er etwas zu nörgeln. Es sei „eine Katastrophe“, dass das Theater zwischen Oktober und März „im Stockdunklen“ liege. Es gehörten „mehr Licht, mehr Musik und mehr Gastronomie“ dorthin. Es müsse „jenseits des Großen Hauses ab 22 Uhr eine Boulevard-Situation“ geben, wo sich alle Generationen bei neuer Dramatik, bei Film und Wein begegnen. Mit der Babelsberger Filmhochschule will er eng zusammenarbeiten. „Das müssen wir doch unbedingt ausbeuten, wenn es hier Schauspielausbildung gibt.“ Er hält einen Runden Tisch aller Standort-Anlieger der Schiffbauergasse für nötig, denn „keiner kann sich führungsmäßig an die Spitze stellen“. Außerdem müsste es einen Etat von rund 250 000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit, ein „kleines Steuerungsorgan“, einen „Pragmatiker wie einen Hausmeister“ und einen „Plan von allen Anbietern, eine szenemäßige Zeitung“ geben. Was bisher existiere sei „zu fein, zu bürgerlich“, findet Wellemeyer. Auf Nachfrage schloss der neue Intendant nicht aus, dass man auch an anderen Orten in der Stadt mal spielen könne, aber „als erstes muss das Böhm-Theater als starker Standort gesichert werden“. Zu diesem Zweck will er den Zuschauern den Zugang zum Theater auch mit mehr Service schmackhaft machen. Für die angekündigten Theater-Taxen, mit denen man nach der Vorstellung „bis vor die Haustür“ gefahren wird, bekamen Wellemeyer und sein Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Hans-Dieter Heuer, Szenenapplaus in der „Tenne“. In die Potsdamer Stadtteile könnte man – so man vorher an der Kasse Bescheid gesagt habe – pro Person für fünf Euro chauffiert werden; weitere Entfernungen wären teurer. (Von Claudia Krause) |