| Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet das deutsch-deutsche Museum Villa Schöningen in Potsdam |
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Ein Museum für die Glienicker Brücke 2009-11-09 POTSDAM - Zwanzig Jahre danach wimmelt es wieder von Uniformierten. Die Polizei hat die Lage im Griff. Fünfhundert geladene Gäste in einer Villa gleich neben der Glienicker Brücke, diesmal bleibt der Andrang im Osten. Zur feierlichen Eröffnung der Villa Schöningen hatten es einfache Passanten schwer, an parkenden Autos, Reportern, Kamerateams und herbeiströmenden Gästen vorbeizukommen. Springer-Vorstand Mathias Döpfner, Initiator und gemeinsam mit Finanzinvestor Leonhard Fischer Inhaber des historischen Anwesens hatte geladen, und die Prominenz aus Potsdam und Berlin war gekommen. „Ein fröhlicher Ort der Freiheit“ solle das Museum der Einheit werden, sagt Döpfner und kann sich gut vorstellen, wie man im Sommer auf einer Bank im Garten sitzt und sich ganz ohne Exponate und Dokumentationen beim Blick auf die Havel einfach nur freut, dass „die Geschichte gut ausgegangen ist“. Dass es drangvoll eng ist in den Zimmern, ist nicht so wichtig an diesem Abend, dem Reiz des Ortes kann man sich kaum entziehen. „Die Brücke trennte, sie einte, sie ist ein Symbol deutsch-deutscher Geschichte“, sagt Kanzlerin Angela Merkel, die es sich nicht hat nehmen lassen, dem neuen Privatmuseum einen Besuch abzustatten. Mitgekommen ist der frühere US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger. Der 86-jährige gebürtige Fürther ist das, was man wohl einen politischen Haudegen nennt, und auch ihn bewegt der Mauerfall sichtlich. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand damals die Wende erwartete. Es war eines der großen Ereignisse der Geschichte, an denen wir teilhaben durften“, sagt er auf Englisch – damit sich niemand von seinem fränkischen Akzent gestört fühle, wie er scherzhaft hinzufügt.Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow sitzt im Publikum, Außenminister Guido Westerwelle und sein großer Vorgänger Hans-Dietrich Genscher. Modeschöpfer Wolfgang Joop, Moderator Günter Jauch und auch Literaturkritiker Hellmuth Karasek sind angetan: „Welche phantastische Tat“, sagt Karasek, „die schreckliche Vergangenheit an diesem Ort Erinnerung werden zu lassen.“ Bestseller-Autor Michael Jürgs („Der kleine Frieden im großen Krieg“, „Wie geht’s, Deutschland“) will am historischen Ort den Blick lieber nach vorn richten. „An diesem Platz kann man an die Zukunft denken. Wir wissen doch alle, wo wir herkommen und haben es uns zwanzig Jahre lang gesagt – den Wossis gehört die Zukunft.“ Und so scheint diesem Haus tatsächlich ein besonderer Geist innezuwohnen, der jedenfalls niemanden unberührt lässt. „In einem Land, das gerade die Linkspartei in die Regierung geholt hat, kann man hier darüber nachdenken, dass man alte Fehler nicht wiederholt“, meint Ronald Lässig, Vize-Chef der Vereinigung der Opfer des Stalinismus. Für die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Katherina Reiche (CDU) liegt die Villa Schöningen am täglichen Arbeitsweg. „Da bleibt ein seltsames Gefühl, wenn man über diese Brücke fährt“, sagt sie. Das Museum setzt ein „wichtiges und würdiges Zeichen“ dieser innerdeutschen Geschichte. (Von Ralf Schuler) |