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19.05.2012 17:34

 

Diskussion zur DDR-Diktatur mit der Ex-Bürgerrechtlerin Freya Klier PDF Drucken E-Mail

Freya Klier: Man darf die Diktatur nicht verniedlichen

2009-05-07

Gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Kreisvorsitzenden der CDU Potsdam Katherina Reiche besuchte die Ex-Bürgerrechtlerin Freya Klier am Donnerstag, dem 6. Mai 2007 zwei Potsdamer Schulen, um mit den Schülerinnen und Schülern über die DDR-Diktatur zu diskutieren. Frey Klier kam auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung an die Voltaire-Schule und das Humboldt-Gymnasium.

„Da war eins schlimmer als das andere“, antwortet sie an diesem Mittwochnachmittag im Humboldt-Gymnasium auf eine Schülerfrage, ob denn in der DDR nicht irgendetwas besser war als heute in der Bundesrepublik. Dass man billig essen konnte und fast nichts für die Versicherung bezahlte, gibt sie zu, aber ein Fernseher kostete 4000 Mark, kontert sie sogleich; und man durfte nicht in den Westen. Unterdrückung und Bespitzelung hätten die DDR beherrscht, die sie ein Jahr vor der Wende verlassen musste. Sie ist glücklich in der Bundesrepublik seitdem. „Jetzt kann ich reisen und tun und lassen, was ich will“, sagte die parteilose Autorin und Filmemacherin der MAZ nach ihrem Vortrag am Gymnasium: „Merkel macht eine tolle Arbeit, der Steinbrück auch, obwohl der von der SPD ist.“ Sorge macht ihr in der Bundesrepublik, was eigentlich den meisten Sorge macht: die Wirtschaftskrise. Und die Jugend sollte politischer sein, sagt sie.

Vor den Schülern, Eltern und Lehrern ließ Klier vier Jahrzehnte DDR Revue passieren als brutale Diktatur, die sich anfangs vieler Nazi-Mitläufer bediente und sich am Ende liberaler gab, um den Untergang noch aufzuhalten.

Einschneidende Erlebnisse haben Klier geprägt. So wurde sie mit drei Jahren in ein Kinderheim der Staatssicherheit gesteckt und dort gedrillt, weil ihr Vater sich mit einem Volkspolizisten anlegte, der die Mutter vom Trittbrett einer Straßenbahn gestoßen hatte. Der Vater musste ein Jahr ins Gefängnis, die Mutter ihr Studium gegen Fließbandarbeit tauschen. Vater ging nie wählen und verweigerte sich dem System, das 1953 den Volksaufstand so blutig niederschlug. In der Schule war Freya Klier trotzdem gern ein „junger Pionier“ und stellte Vater zur Rede, der Westradio hörte und empört war, als 1961 die Mauer kam.

In den 60ern wurde Klier wacher, trat der Jungen Gemeinde bei. Wegen Westmusiktexten und Zusammenrottung verhaftete man 1966 ihren Bruder, der vier Jahre einsaß und sich in der Psychiatrie das Leben nahm.

1968 hatte sie als Schauspielstudentin vorsichtigen Kontakt zu schwedischen Sozialisten, die ihr zur Flucht verhelfen wollten, doch im Freihafen von Rostock flog sie auf. Man verhaftete sie an Bord des Schweden-Frachters, nahm sie für 16 Monate in Haft; nach elfen wurde sie entlassen. Trotzdem konnte sie wieder studieren, eine „unerklärliche Ausnahme“ von jeder Regel, sagt sie. In den 80er Jahren nahm der Verfolgungsdruck der Behörden zu und gipfelte in einem Nervengiftanschlag, dem sie und ihr damaliger Mann, der Liedermacher Stephan Krawczyk, aber mit Not entkamen.

Das Publikum in der Humboldt-Aula war erschüttert. Doch fragten einige, warum sie bei aller Querulanz studieren durfte; sie vermag es nicht zu sagen. Auch waren einige ihrer Zeitgenossen aus der damaligen Erweiterten Oberschule (EOS) 1 nicht geneigt, Kliers Ansichten über Stasi-Lehrer und Westmusikverbot so stehen zu lassen. Man habe sich nie an die Vorschrift 60 Prozent Ost und 40 West in der Disco gehalten und kein Problem damit gehabt, sagte einer. Auch sei wegen den Beatles oder Stones keiner verhaftet worden. Und eine andere Ex-Humboldtianerin hatte auch Humanisten als Lehrer. Doch sowas hatte Klier bislang nie gehört: „Dann müssen sie in einer Enklave gelebt haben.“
(Von Rainer Schüler, Märkische Allgemeine Zeitung)

 


 
 

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