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19.05.2012 18:15

 

Potsdamer Marienschule feierlich eröffnet PDF Drucken E-Mail

Berliner Morgenpost

2008-09-01 

Zehn Jahre hat der Förderverein für sie gekämpft - gestern ist die Marienschule in Potsdam eingesegnet worden. Und 52 Eleven aus dem Südwesten Berlins, Potsdam und Umgebung haben bereits gestern die Schulbank gedrückt. Mit der Wiedereröffnung lebt eine ins 18. Jahrhundert zurückreichende Tradition wieder auf: Die erste katholische Schule in Potsdam war 1722 begründet, die letzte 1939 von den Nationalsozialisten geschlossen worden. Geschichte, auf die am Morgen auch Pfarrer Armin Kögler in der Kirche Sankt Antonius einging.

In dem Gotteshaus an der Plantagenstraße in Babelsberg fand ab 10 Uhr der feierliche Einschulungsgottesdienst statt. Unter den 600 Teilnehmern waren TV-Moderator Günther Jauch und die CDU-Politikerinnen Katherina Reiche und Beate Blechinger. Erstere engagieren sich im Förderverein, Blechinger in der Schulstiftung des Erzbistums. Vor dem Altar herrschte so viel Freude und Aufregung, dass Pfarrer Kögler zur Ruhe mahnte: "Wir sind in einer Kirche und nicht in einer Bahnhofshalle." Die Kinder waren nicht gemeint. Viele der Fünf- bis Siebenjährigen saßen auf reservierten Plätzen in den vorderen Reihen. Sie hatten ihre riesigen, rosa und blauen Tornister artig an die Haken gehängt und schauten mit ernsten Augen zum Altar, wo Georg Kardinal Sterzinsky stand. Der Erzbischof von Berlin begrüßte die Schulanfänger, gratulierte und garantierte ihnen, dass sie in eine gute Schule gehen werden. In seiner Predigt dankte er den Eltern des Gründungsvereins für "Klugheit, Geduld, Ausdauer und Spendenfreudigkeit, die halfen, die Widerstände zu überwinden". Widerstände, die sich in Zeit messen lassen. Rund zehn Jahre hatten die Befürworter der Privatschule dafür gekämpft, dass die Institution heute um acht Uhr ihren Betrieb mit einer ersten Grundschul- und einer siebten Gymnasialklasse aufnimmt. Die Finanzkrise des Erzbistums war eine der Herausforderungen, die das Projekt lange in unerreichbare Ferne zu rücken schienen. Zudem betrachtete die Potsdamer Stadtverwaltung das Bestreben, eine katholische Privatschule zu gründen, mit Skepsis. Es gab viele Debatten über die Notwendigkeit von Privatschulen - vor allem in christlicher Trägerschaft - doch endlich stimmten die Stadtverordneten vor einem Jahr für Mietverhandlungen mit dem Erzbistum. Im Februar starteten die Aufnahmegespräche mit Eltern und Schülern. Mit Konzerten warb der Verein um Spenden für die Ausstattung. Untergebracht ist die Marienschule in Räumen des früheren Espengrund-Gymnasiums an der Domstraße, nahe dem S-Bahnhof Griebnitzsee. Dorthin spazierten Kinder und Eltern, Kirchenvertreter und Unterstützer nach dem Gottesdienst.

Augenblicke, in denen sich die Spannung unter Eltern und Kindern keineswegs löste. Denn schon gestern, so formulierte es die Leiterin der Grundschule Regina Enders, sollten die Kinder "20 Minuten in ihren Klassen arbeiten". Henning und Luise, Sarah und Miriam, Gideon und David - nacheinander wurden sie aufgerufen. Draußen am Plattenbau der Marke 'Erfurt' bröckelte der Putz, drinnen war der hellgelb gestrichene Klassenraum liebvoll dekoriert mit Sonnenblumenbildern. Über der Tür: ein hölzernes Kreuz, wie in jedem Klassenraum. "Die Kreuze erinnern daran, dass wir unter dem Schutze Jesus stehen", sagte der Erzbischof von Berlin, der das Segensgebet für das Gebäude sprach.
Beim spielerischen Arbeiten testete Klassenlehrerin Mechthild Blasczyk Lese- und Schreibfähigkeit ihrer Schüler und rief erstaunt aus. "Ihr könnt ja alle schon lesen und schreiben. Was wollt ihr dann hier?" Die Antwort kam schnell und vielstimmig: "Schultüten." Sogar zwei Schultüten hatte Günther Heinze, als er das erste Mal die Gebäude der Marienschule betrat. "Das war 1938", sagt der Potsdamer. Er war einer von 20 Schülern, die die Schließung durch die Nazis miterlebt hatten und gestern die Einweihung mitfeierten. Heinze hat sein Zeugnisheft mitgebracht. In dem blauen Heft werden die Leistungen des späteren Ingenieurs und Historikers mit schwarzer Tinte und in altdeutscher Schrift als "gut" bewertet. Was den 76-Jährigen gestern am meisten bewegte, war "der Fakt, dass es nun endlich wieder eine katholische Schule in Potsdam gibt".(Von Tanja Laninger)

 


 
 

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