| Kunst des kritischen Hinterfragens |
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Auftakt für neue Reihe / Präsident der Senioren-Union zu Gast POTSDAM / NEU FAHRLAND - Einen interessanten Gast konnte Carmen Klockow am Mittwochabend beim Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Tenne“ begrüßen: Bernhard Worms, Präsident der Europäischen Senioren-Union, war nach Neu Fahrland gekommen, um vor und mit etwa 40 Besuchern über soziale Marktwirtschaft, moralische und ethische Fragen in Politik und Wirtschaft, aber auch über persönliche Lebensgrundsätze und natürlich über das Verhältnis zur EU zu sprechen. Die neue Reihe sei ihre Idee gewesen, so Klockow zur MAZ. Sie habe etwas gegen die allgemeine Politikverdrossenheit unternehmen wollen, damit nicht eines Tages wegen eben dieser Verdrossenheit undemokratische Kräfte die Oberhand gewinnen. Bei den Veranstaltungen sei jeder Interessierte gern gesehen; Wahlkampf könne man ihr ja wohl kaum vorwerfen. Klockow sitzt für die CDU im Ortsbeirat und kandidiert weder für den Land- noch für den Bundestag. Als nächster Gast wird André Martin über die Erfahrungen des Treffpunkt Freizeit als Mehrgenerationenhaus berichten. Es sei überlegenswert, ob ein solches Modell für den Ortsteil übernommen werden kann, so Klockow. Für März ist die Landtagsabgeordnete Saskia Funck, für Mai der EU-Abgeordnete Christian Ehler (beide CDU) eingeladen. Ein Gedanke, der sich zum Auftakt durch Worms’ Vortrag wie ein roter Faden zog, war der Appell an die Bürger, das Denken nicht zu verlernen. „Plausibilitätskontrolle“ nennt es der 79-Jährige in Erinnerung an seinen Mathelehrer. Der hatte in der Nazizeit die Kinder gegen Hitler sensibilisieren wollen und sie angehalten, alles, was man ihnen erzählt, auf Plausibilität zu hinterfragen. Eine solche Prüfung wäre zum Beispiel bei der Geldblase und den ausufernden Renditeerwartungen angebracht gewesen, deren Platzen jetzt die Finanzkrise heraufbeschwor. Auch die Rentenversicherung wäre bei kritischem Hinterfragen damals, Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre, vor Problemen bewahrt worden, mit denen sie heute zu kämpfen hat. Zu spät sei in Form des demographischen Faktors auf die wachsende Lebenserwartung reagiert worden. Und: Man hätte den Rentenkassen keine aus politischer Absicht resultierenden Lasten aufbürden dürfen. Als Beispiel nannte Worms die Russlanddeutschen, die nach dem Zusammenbruch der politischen Blöcke zu Abertausenden nach Deutschland kamen und in Rentenfragen behandelt wurden, als hätten sie immer in deutsche Kassen eingezahlt. Das war ein Fehler, räumte Worms auf Nachfrage aus dem Publikum ein. Durchaus auch selbstkritisch: Er war damals Staatssekretär bei Sozialminister Norbert Blüm. Natürlich sollen die Russlanddeutschen ihre Rente beziehen, so Worms heute, dafür hätte aber der Finanzminister aus Steuermitteln aufkommen müssen. In Bezug auf Euro und Europa wiederum bescheinigt Worms der Politik, alles richtig gemacht zu haben. Ohne die EU stünde Deutschland in der aktuellen Finanzkrise weitaus schlechter da. Dank der Haltung der Europäer sei der Euro zur führenden Währung in der Welt geworden. (Von Carsten Böttcher) |