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Heute vor 66 Jahren sollte eine Bombe den Krieg beenden
POTSDAM / INNENSTADT - Am Abend vor der mutigen Tat fuhr Stauffenberg zu seinem Bruder nach Berlin-Dahlem. Nur zweimal hielt der Offizier an jenem Mittwoch an, Stunden, bevor sein Leben vor einem Erschießungskommando endete. Einmal, um in der Kirche beim Gebet Ruhe zu finden. Im anderen Fall besuchte die zentrale Gestalt der Männer des 20. Juli ein letztes Mal einen Freund, der ihm Mut machte. Jenem engem Vertrauten, Adam von Trott zu Solz, galt gestern am Vorabend des symbolträchtigen Gedenktages des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler das Erinnern der Potsdamer CDU.
Mit Clarita von Trott zu Solz war auch die 91-jährige Witwe des Widerständlers vor Ort, als am Geburtshaus ihres Mannes, dem heutigen Innenministerium, Blumen niedergelegt wurden. Sie gilt als eine der letzten Zeitzeuginnen der bewegten Tage im Juli 1944. Die enge Freundschaft Stauffenbergs zu ihrem Mann blieb den Nazis nicht lange verborgen. Adam von Trott zu Solz hatte die Verbindung vom Kreisauer Kreis zu Stauffenberg gehalten, Verbindungen im In- und Ausland geknüpft. Am 25. Juli 1944 wurde der Diplomat und Jurist deswegen verhaftet. Roland Freisler, der berüchtigte Vorsitzende des Volksgerichtshofes, verurteilte ihn wenig später zum Tode. Ein letztes Mal wollte die junge Frau ihren Mann sehen und ihm versichern, dass sie hinter ihm stünde. Sie eilte nach Berlin, wo sie ebenfalls verhaftet wurde. In der Gefängniszelle in Moabit erfuhr die damals 26-Jährige dann vom Pfarrer von der Hinrichtung ihres Mannes. Wenn sie heute nicht an den Widerständler, sondern den Mann an ihrer Seite denkt, beschreibt ihn die Dame mit der erstaunlichen Energie als „wahr gewordenen Traum“. „Es war der Mensch, der mir Sicherheit, Halt und Freude gebracht hatte“, formulierte die Psychoanalytikerin.  Begleitet wurde sie von ihrer Tochter Clarita Müller-Plantenberg. Gemeinsam mit ihrer Schwester hatten die Nazis sie in Abwesenheit der Mutter aus dem Familiensitz geholt und die beiden Kinder in ein SS-Heim im Harz gesteckt. Müller-Plantenberg zählte damals erst neun Monate, Schwester Verena war kaum älter. „Wir haben völlig neue Namen erhalten, damit uns niemand erkennt“, berichtete sie. Kinder anderer Widerständler sollten sogar in Konzentrationslager deportiert werden. Das Vorgehen war Teil des Plans der Machthaber, die Erinnerung an die Männer des 20. Julis zu tilgen. Nach langer Gefangenschaft konnte Clarita von Trott zu Solz ihre beiden Töchter schließlich wieder in die Arme schließen.
 Vor der Gedenktafel am Innenministerium würdigte die CDU-Oberbürgermeisterkandidatin Barbara Richstein, das Bemühen der Verschwörer um ein Ende des Zweiten Weltkrieges als „heldenhaften Widerstand gegen die Tyrannei“. Auch wenn der Diktator das Attentat überlebt habe, sei es „ein moralischer Triumph“ gewesen. Levin von Trott zu Solz, Neffe des Geehrten, äußerte die Hoffnung, dass sich in Potsdam noch stärker als bisher ein Bewusstsein für den am 9. August 1909 geborenen „Sohn der Stadt“ bilden wird. (Von Sebastian Scholze - MÄRKISCHE ALLGEMEINE)  |