| OB-WAHL: Kandidaten als Cocktails (MAZ 09.08.10) |
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POTSDAM / Mitte - Mit der „Schwarzen Barbara“ ließ es sich gestern vortrefflich auf den „Scharfen Hans“ anstoßen. Zur Eröffnung der CDU-Wahlkampfzentrale in den Bahnhofspassagen gab es die Oberbürgermeisterkandidaten sozusagen zum Austrinken. Der politischen Farbenlehre entlehnt, kreierten die Christdemokraten passende Cocktails: So mutierte CDU-Anwärterin Barbara Richstein zum schwarzen Brombeer-Vitamin-Cocktail, ihr linker Konkurrent Hans-Jürgen Scharfenberg zur alkoholfreien Bloody-Mary-Variante. Der erzgebirgische Kräuterlikör „Wurzelpeter“ hätte zwar zu Scharfenbergs geografischen Wurzeln besser gepasst, die Schnapsfarbe – grün! – taugte jedoch nicht.
Damit die Kandidaten ihre flüssigen Entsprechungen kosten konnten, hatten die Christdemokraten die fünf Mitbewerber um das Amt des Stadtoberhauptes eingeladen. Von ihnen kam gestern Nachmittag einzig Scharfenberg in die mit Potsdam- und CDU-Fahnen geschmückte Lounge neben dem UCI-Kino, um sich und Richstein einen „fairen und produktiven Wahlkampf“ zu wünschen. Beim Einsatz für ein neues Tierheim oder ein russisch-orthodoxes Gemeindezentrum sieht der Sozialist gar „eine Reihe von Übereinstimmungen“ mit christdemokratischer Politik. „Das muss man in Aktion umwandeln“, so Scharfenberg. Bis zum Urnengang am 19. September soll die Wahlkampfzentrale täglich besetzt sein, sagte CDU-Kreisvorsitzende Katherina Reiche. An „ausgewählten Terminen“ werde sich hier auch Barbara Richstein vorstellen. In erster Linie soll man sich bei der CDU in den Bahnhofspassagen mit Informationen, und dann erst mit den reichlich dargebotenen Einkaufswagenchips, Gummibärchen und Kugelschreibern versorgen. Dass die CDU zur Eröffnung ihrer Wahlkampfzentrale die Kandidaten anderer Parteien eingeladen hatte, bezeichnete Reiche als „Geste der Fairness; wir haben keine Berührungsängste“. Schließlich wollten alle Bewerber das Beste für Potsdam. Darüber, was das Beste sei, gebe es eben unterschiedliche Auffassungen. Barbara Richstein zufolge braucht Potsdam insgesamt „mehr Tempo“. So ist es auf den Plakaten zu lesen, die Ende dieser Woche gehängt werden. Zum Wohle der Stadt will sich die Christdemokratin offenbar sogar zur Geschwindigkeitsübertretung hinreißen lassen. Denn das Plakat zeigt die Kandidatin im Blitzerfoto-Stil mit typischer Schwarz-Weiß-Unschärfe. (Von Ricarda Nowak - MÄRKISCHE ALLGEMEINE) |