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22.05.2012 07:13

 

Kandidaten beantworten MAZ-Fragebogen (MAZ 13.09.10) PDF Drucken E-Mail
Barbara Richstein beantwortet den Fragebogen der MAZ

Bei einer Wahl des Stadtoberhauptes geht es nicht allein um Programme, sondern stark um die Person. Wir wollen klären: Hat sie/er Visionen, Witz, Prinzipien?

MAZ: Wenn Sie einen Zeitungsartikel über Ihre bevorstehende Wahlperiode schreiben müssten, welche Überschrift hätte der?

Richstein: Potsdam erwacht aus dem Dornröschenschlaf!

 

Und die Schlagzeile über die zurückliegende Amtszeit...?

Richstein: Viele Chancen – keine Tore.

 

Wie sähe diese Stadt aus, wenn Sie alles nach Ihrem Willen gestalten könnten?

Richstein: Wir hätten mehr Miteinander als Gegeneinander; weniger Gestern, mehr Morgen; weniger Bürokratie, mehr Freiheit; kein Klüngel, dafür Transparenz. Potsdam wäre selbstbewusst, modern, sozial und zukunftsfähig, vor allem für unsere Kinder.

 

Welchen Teil dieses Traums werden Sie verwirklichen, wenn Sie OB sind?

Richstein: Am liebsten alle Teile. Als Oberbürgermeisterin brauche ich ein engagiertes Team, eine Verwaltung, die mitzieht, sowie Bürger, die sich einbringen. Gemeinsam werden wir Potsdam noch lebenswerter machen. Ich schlage bei allen wichtigen Fragen regelmäßige öffentliche Umfragen im Internet vor. Die „Basta!“-Kultur muss eine Ende haben.

 

Gibt es Prinzipien, die Sie auch gegen eine Mehrheit durchsetzen wollen?

Richstein: Ich stehe für Rechtstaatlichkeit, Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit. Mir ist es mir wichtig, diese Werte auch in politisches Handeln umzusetzen.

 

Was machen Sie zuerst, wenn Sie gewählt sind?

Richstein: Ich werde zuerst mit den Mitarbeitern der Verwaltung und den Stadtverordneten Gespräche führen, denn nur im Miteinander können wir am besten für Potsdam arbeiten.

 

Welches Gebäude würden Sie gern abreißen, welches wieder haben?

Richstein: Das Mercure-Hotel gehört städteplanerisch nicht in das Stadtbild und sollte mittelfristig zurückgebaut werden. Die Wiedergewinnung der historischen Mitte ist ein wunderbares Vorhaben.

 

Welches Stück Natur mögen Sie am meisten?

Richstein: Da ich ja gerne jogge und meine beiden Hunde ebenfalls viel Bewegung brauchen, genieße ich den Wildpark ebenso wie den ehemaligen Grenzweg an der Havel oder die Parforce-Heide.

 

Bei freier Wahl: Wo möchten Sie in Potsdam am liebsten wohnen?

Richstein: Jede Ecke, jeder Kiez hat etwas Besonderes und bietet ein spezielles Stück Heimat. Ich wohne jetzt im Zentrum Ost und finde es spannend. Ich fühle mich dort wohl. Getoppt würde es natürlich durch einen Wohnort am Wasser.

 

Was ist Ihr Restaurant-Tipp, was Ihr Lieblingsessen?

Richstein: Meine Tipps sind das „Pane e Vino“ und das „Athos“. Im ersten alle Nudelgerichte und im zweiten alles mit Knoblauch.

 

Welche politischen Fehler würden Sie gern ungeschehen machen – eigene und fremde?

Richstein: Die mangelnde Kommunikation der Stadtspitze in den Uferstreitigkeiten und die Schließung des Tierheims.

 

Wie viele Stunden in der Woche wollen Sie als Oberbürgermeister arbeiten?

Richstein: Das Amt des Oberbürgermeisters ist eine Aufgabe, die mich stets und immer fordern wird – und darauf freue ich mich. Der Blick auf die Uhr ist nicht wichtig. Der Blick auf das, was zu tun ist und die Gespräche mit den Bürgern zählen. Und dafür wird immer Zeit sein.

 

Wen laden Sie als Erstes ein, wenn Sie Ihr Amt angetreten haben?

Richstein: Die Ortsvorsteher der neuen Ortsteile.

 

Welche Fähigkeiten Ihres Amtsvorgängers würden Sie gern besitzen, welche lieber nicht?

Richstein: Ich hätte gerne seine Fähigkeit immer als „Strahlemann“ in die Kamera zu blicken. Verschont bleiben möchte ich von seiner Beratungsresistenz.

 

Können Sie Kritik vertragen?

Richstein: Ja, kann ich. Wer seine Kritikfähigkeit

verliert, verliert die Boden-haftung. Allerdings sollte Kritik auch konstruktiv sein.

 

Was sind Ihre politischen Tugenden?

Richstein: Gerechtigkeit, soziale Verantwortung, Kompromissfähigkeit, Mut zu Meinung, Durchsetzungsfähigkeit, Verlässlichkeit.

 

Ihre persönlichen Untugenden?

Richstein: Ungeduld – manchmal möchte ich eine richtige Entscheidung gerne schneller umsetzen.

 

Welche Vorlieben haben Sie außerhalb der Politik?

Richstein: Kochen, Freunde, Lesen, Joggen, Reisen, gutes Essen und interessante Gespräche…

Wenn Sie eine Million zu verschenken hätten; wem würden Sie Gutes tun?

Richstein: Die SOS-Kinderdörfer machen weltweit eine so gute Arbeit für elternlose und verlassene Kinder. Sie ist absolut unterstützenswert. Ein Teil geht auch an den Weißen Ring, der sich unermüdlich für die Belange von Opfern von Gewalttaten einsetzt.

 

Welche Bücher haben Sie am meisten beeinflusst?

Richstein: Bücher über die deutsche Geschichte, insbesondere über die Zeit des Nationalsozialismus und die verheerenden Ereignisse zu dieser Zeit. Gerade aufgrund meiner Jugendzeit in Israel habe ich einen besonderen Bezugspunkt zu diesem dunklen Teil unserer Geschichte.

 

Welche Musik hören Sie am Ende eines nervigen Tages?

Richstein: Die Ärzte. Hörenswerte Texte, guten Punk.

 

Welches Geschäft vermissen Sie in dieser Stadt?

Richstein: Als Wasserstadt braucht Potsdam mehr als ein Fischgeschäft. Als Hobbyköchin möchte ich frische Ware.

 

Wo kaufen Sie Ihre Kleider?

Richstein: Immer dort wo ich mal Zeit finde zu stöbern. Gerade habe ich ein neues Geschäft in der Brandenburger Straße entdeckt, wo ich schon mehrfach fündig wurde.

 

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Richstein: Wenn ich Bewerberin in einem amerikanischen Miss-Wettbewerb wäre, müsste ich jetzt wohl sagen: „Der Weltfrieden!“

 

Was kochen Sie selbst gerne?

Richstein: Ich koche gerne asiatisch, insbesondere thailändisch. Es ist eine leichte Küche, die sehr abwechslungsreich ist und viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen in einem Gericht vereint.

 

Was trinken Sie am liebsten?

Richstein: Buttermilch – erfrischend, natürlich, lecker.

 

Steigen Sie in die Zeitmaschine: Welches Ereignis der Stadtgeschichte würden Sie gerne live miterleben?

Richstein: Filmszenen vom Fall der Mauer lassen mir noch immer Schauer über den Rücken laufen. Ich würde gerne die Öffnung der Glienicker Brücke am 10. November 1989 live erleben.

 

Welches sind Ihre Vorbilder?

Richstein: Menschen, die sich ohne Eigennutz wichtigen Aufgaben stellen, egal ob im politischen, sozialen, caritativen, sportlichen oder gesellschaftlichen Bereich.

 

Was fingen Sie mit dem Leben an, wenn Sie heute 20 wären?

Richstein: Ich würde Psychologie studieren wollen.

 

Worüber können Sie lachen?

Richstein: Über vieles – auch über mich selbst.

 

Wen ertragen Sie nur mit Humor?

Richstein: Ewige Nörgler, die immer das Haar in der Suppe suchen und sich nicht an den schönen Dingen des Lebens erfreuen können.

 

Glauben Sie an Gott? Oder woran sonst?

Richstein: Ich glaube an Gott und das Gute im Menschen.

 

Wenn es eine Wiedergeburt gäbe: Welches Tier wären Sie gern?

Richstein: Eine Ameise. Als staatenbildende Insekten wissen sie, dass sie nur in der Gemeinschaft überleben können. Ihre Stärke wird auch durch die oft verwandte Bezeichnung „Riesen der Wälder“ deutlich.

 

Haben Sie Freunde? Wie viele?

Richstein: Es kommt nicht darauf an, viele Freunde zu haben. Es kommt darauf an, gute und verlässliche Freunde zu haben.

 

Was schätzen Sie an Ihrem besten Freund?

Richstein: Dass ich jederzeit mit einem Problem zu ihm kommen kann, er mir zuhört und mich unterstützt.

 

Sind Sie reich?

Richstein: Reich an Lebenserfahrung.

 

Wann können Sie Politikverdrossenheit nachvollziehen?

Richstein: Ich kann sie nachvollziehen, wenn Postenschieberei, Filz und Taktieren im Vordergrund stehen.

 

Welche drei Nichtpolitiker würden sie gern in der Rathausspitze haben?

Richstein: Günther Jauch wegen seiner Klugheit; Jogi

Löw wegen seiner Teamfähigkeit und Motivationsleis-tung; Daniela Katzenberger wegen ihrer Lebensfreude und ihrer unkonventionellen Art.

 

Welcher Satz, den Sie einmal gelesen haben, verfolgt Sie?

Richstein: „Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“ Dinge werden erklärbar, wenn sie in ihre Einzelteile zerlegt werden.

 

Gibt es eine Melodie, die der Ohrwurm oder Soundtrack Ihres Lebens ist?

Richstein: „You are my sunshine, my only sunshine…“

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